Das Panel sagt 200 W. Die Station zeigt maximal 500 W Solareingang. Du rechnest: 1000 Wh Batterie geteilt durch 200 W ergibt fünf Stunden Ladezeit. Einfach.
Nur dass es so nie funktioniert. Nie.
Ich habe Wochen damit verbracht, die realen Ladezeiten verschiedener Stationen mit verschiedenen Panels zu messen, zu verschiedenen Uhrzeiten und Jahreszeiten. Das Ergebnis ist immer gleich: Die reale Zeit ist 1,5 bis 3 Mal länger als die theoretische. Wenn du verstehen willst, wie der MPPT hilft, deine Produktion zu maximieren, ist das eine gute Ergänzung. Es ist kein Betrug. Es ist Physik. Aber wenn du nicht verstehst warum, wirst du von deiner Solaranlage enttäuscht sein.
200 W vom Hersteller sind die Leistung unter STC-Laborbedingungen: 1000 W/m2 Einstrahlung, 25 °C Zelltemperatur. In Mitteleuropa erreicht die Einstrahlung 1000 W/m2 nur wenige Stunden pro Tag im Sommer, fast nie im Winter. Mittags im Sommer messe ich typisch 700-800 W/m2, morgens und nachmittags 300-400 W/m2.
Dein 200 W-Panel liefert also 140-160 W bestenfalls und eher morgens. Im Tagesdurchschnitt rechne mit 60 bis 70 % der Nennleistung -- also , nicht .
60-80 W120-140 W200 WSolarzellen verlieren bei Hitze an Wirkungsgrad. Temperaturkoeffizient eines typischen monokristallinen Panels: -0,35 % pro Grad über 25 °C. Ein Panel auf dem Wohnmobil-Dach in der Sommersonne kann 65-70 °C erreichen -- das sind -14 % Leistung allein durch Hitze. Ein belüfteter Abstand zwischen Panel und Dach bringt 8 bis 12 % mehr Produktion im Sommer.
Ein Panel produziert maximal bei senkrechtem Lichteinfall. Ein horizontales Dach-Panel verliert deutlich, besonders morgens und abends. Bei 15 Grad Sonnenhöhe fängt ein horizontales Panel nur 26 % der verfügbaren Einstrahlung ein.
Kabel (2-7 % je nach Querschnitt und Länge), MPPT-Regler (2-5 %), BMS und Ladeelektronik (3-5 %). Gesamtverluste: 7 bis 15 % zwischen Panel und Batteriezelle.
10 % Schattenfläche auf deinem Panel kann 30 bis 50 % Produktionseinbruch bedeuten. Die Zellen sind in Serie geschaltet -- eine verschattete Zelle wird zum Flaschenhals für alle. Der Baumschatten, der um 10 Uhr nicht da war, kommt um 14 Uhr.
Konkretes Beispiel: 1000 Wh-Station von 20 % auf 100 % laden, 200 W-Panel auf dem Wohnmobil-Dach, März, Süddeutschland.
Theoretisch: 800 Wh / 200 W = 4 Stunden.
Real: Durchschnittlich 120 W während der besten 6 Stunden (10-16 Uhr). Das ergibt ca. 600 Wh an dem Tag. Nicht genug für eine Vollladung. Du brauchst den nächsten Morgen dazu. Real also 8 bis 10 Stunden nutzbarer Sonnenschein -- zwei- bis zweieinhalbmal länger als die Theorie.
Im Sommer besser: 140-160 W Durchschnitt über 8-10 Stunden nutzbarer Produktion. 1100-1600 Wh am Tag. Vollladung an einem Tag machbar.
Im Winter in Norddeutschland: Vergiss es. Drei Tage für 800 Wh mit einem 200 W-Panel.
Morgens laden -- die Batterie akzeptiert mehr Strom bei niedrigem Ladestand. MPPT arbeitet am effizientesten zwischen 20 % und 80 %. Panels regelmäßig reinigen. Voll Süd parken. Stationstemperatur überwachen -- über 40 °C intern drosselt die Station den Ladestrom.
Meine Regel: Plane zwei- bis dreimal die Panelleistung gegenüber deiner theoretischen Berechnung. Brauchst du 500 Wh pro Tag, nimm nicht ein 100 W-Panel, sondern 200 bis 300 W. Für ein Wohnmobil empfehle ich im März 2026: zwei starre 200 W-Panels auf dem Dach, also 400 W nominal. Real liefern sie 200-300 W im Sommer und 80-150 W im Winter.
Ergänzende faltbare Panels (schau dir unseren Vergleich der besten Panels 2026 an) sind ein guter Zusatz für lange Aufenthalte. Aber rechne nicht mit ihnen als Hauptquelle -- du vergisst sie rauszustellen oder der Wind fegt sie um.
Für die genaue Berechnung deiner Wattstunden und Schätzung deiner Produktion mit unserem Solarrechner hast du alle Karten in der Hand. Solarladung ist großartig, aber nie so schnell wie auf dem Papier. Akzeptiere das, dimensioniere entsprechend, und du wirst nie enttäuscht.
Weil die 200 W im Labor unter perfekten Bedingungen gemessen werden, die du draußen nie erreichst. Real bekommst du 60 bis 70 % der Nennleistung -- also 120 bis 140 W bei Sonnenschein im Sommer. Temperatur, Einfallswinkel, Wolken und Kabelverluste fressen den Rest.
Im Sommer in Mitteleuropa: 30 bis 35 Grad zur Horizontalen, Ausrichtung voll Süd. Im Winter: 50 bis 60 Grad für die tiefstehende Sonne. Schau auf die angezeigte Leistung deiner Station und justiere den Winkel bis zum Maximum. Ein gut ausgerichtetes Panel produziert 30 bis 40 % mehr als ein flach liegendes.
Im Sommer in Süddeutschland: 7 bis 8 Stunden nutzbare Sonne pro Tag. In Norddeutschland: 4 bis 5 Stunden. Im Winter: 3 bis 4 Stunden im Süden und 2 bis 3 im Norden. Die ersten und letzten Tagesstunden produzieren sehr wenig.
Cedric